Nach der Kohleförderung sind aus den Tagebauen wieder funktionierende Landschaften zu formen. Hierbei spielen Seen eine große Rolle. Doch die Flutung der letzten Seen, ihre nachhaltige Bewirtschaftung und Funktionen für Mensch und Natur sind zu klären.
Ein großer Braunkohle-Tagebau findet sein Ende in der Regel als See. Das beim Abbau entstehende Volumendefizit – es werden täglich mehrere 10.000 Tonnen Kohle verbrannt – kann mit festem Material nicht ausgeglichen werden. Für das Mitteldeutsche, Lausitzer und Rheinische Revier sind daher Seen in der Größenordnung von jeweils 3,5 km3, 4,0 km3 bzw. 7,0 km3 zu erwarten. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen aller rund 500 deutschen Talsperren umfasst 4,2 km3. Hinzu kommt die großräumige Absenkung des Grundwassers für den Betrieb der Tagebaue. Das hierbei abgepumpte Grundwasser („Sümpfungswasser“) hinterlässt ein großes Wasserdefizit in der Landschaft. Das führt z. B. zum Austrocknen von Quellen, Feuchtgebieten oder Brunnen in der Region. Der Wasserbedarf zum Ausgleich dieses Defizits kann durch das lokale Wasserdargebot nicht in beherrschbaren Zeiträumen gedeckt werden.
In den letzten Jahrzehnten ist zumindest ein Großteil dieser Sümpfungswässer zur Füllung von stillgelegten Tagebauen genutzt worden. Das Wasser blieb in der Landschaft, was positiv zu bewerten ist. Aber für die letzten Tagebaue steht Sümpfungswasser nicht mehr zur Verfügung. Für das Mitteldeutsche Revier wird das aufzufüllende Wasserdefizit zur Sanierung der letzten beiden Tagebaue Schleenhain und Profen ca. 1,6 km3 betragen. Das hierfür notwendige Wasser muss daher durch Flüsse und Grundwasser bereitgestellt werden. Der Bergbau beeinflusst damit den Wasserhaushalt ganzer Flussgebiete. In Kombination mit Dürre und Versickerungen kann dies sogar zum Trockenfallen der Flüsse führen, wie z. B. mehrfach bei der Schwarzen Elster. Eine überregionale Koordination der Wasserzuteilung (z. B. Flutungszentrale Lausitz) ist enorm wichtig, um das für Leben im und am Fluss notwendige Wasser („Mindestabfluss“) bereitzustellen.
Zur Sanierung der Tagebaulandschaften gehört aber auch, langfristig eine gute Wasserqualität zu erreichen.
Insbesondere drei Wasserqualitätsrisiken sind zu benennen:
(a) die Versauerung (aus der Pyritoxidation)
(b) hohe Sulfatgehalte und
(c) hohe Eisengehalte.
Anders als bei natürlichen Seen spielen Nährstoffe und „Überdüngung“ bei Tagebauseen meist keine wesentliche Rolle (Schultze et al., 2010). Die neuen Seen können daher eine gute Wasserqualität erreichen. Das klappt, wenn das Wasser nicht sauer wird. Dann sinkt auch der Eisengehalt im Wasser. Das wichtigste Ziel ist also, eine Versauerung zu vermeiden. Tagebauseen, die zur Versauerung neigen, werden deshalb behandelt. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat dafür in den Jahren 2010 bis 2024 jedes Jahr zwischen 10.000 bis 55.000 Tonnen Neutralisationsmittel wie etwa Kalk ausgebracht. Auch die Einleitung von Flusswasser in Tagebauseen – wie etwa im Senftenberger See oder Zwenkauer See – bewirkt eine Neutralisation und Stabilisierung neutraler Bedingungen. Der Zufluss von versauertem Grundwasser erfordert auch zukünftig vielerorts eine regelmäßige, aber kostenintensive „Nachsorgekalkung“.
Erhebliche Folgekosten sind auch wegen Auswirkungen auf unterhalb liegende Flussabschnitte hinsichtlich Wassermenge und -güte zu erwarten, insbesondere in der Spree. In den kommenden Jahren wird deren Abfluss deutlich abnehmen. Zum einen fehlt künftig das Sümpfungswasser. Zum anderen wird Wasser für die Seen der letzten Lausitzer Tagebaue benötigt. Prognosen weisen sogar auf ein abschnittsweises Trockenfallen der Spree hin (Uhlmann et al., 2023). Dadurch wird die Wasserversorgung Berlins vor enorme Herausforderungen gestellt – selbst bei Einbeziehung der vorhandenen Tagebauseen in eine Speicherbewirtschaftung, wodurch aber zumindest ein Trockenfallen vermieden werden könnte. Daher wird eine Wasserüberleitung aus der Elbe in Höhe von mindestens 60 Mio. m³ pro Jahr diskutiert. Diese hat aber auch Auswirkungen auf den Abfluss der Elbe, erfordert lange Planungs- und Bauzeiten (> 20 Jahre) und kostet mehrere 100 Mio. Euro. Schließlich begrenzen steigende Gehalte an Sulfat in der Spree eine Verwendung für die Trinkwasserversorgung und erfordern ggf. teure Investitionen in die Wasseraufbereitung.
Die Tagebauseen verschärfen den Wassermangel, weil über ihre Wasserflächen besonders viel Wasser verdunstet. Für das Lausitzer Revier wird ein Wasserverlust von 30 Mio. m³ pro Jahr geschätzt (Uhlmann et al., 2023). Bei der Gestaltung der Tagebauseen sollten daher tiefe Gewässer mit vergleichsweise kleiner Oberfläche bevorzugt werden, statt flacher und großflächiger Seen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Cospudener See im Mitteldeutschen Revier. Der gerade entstehende Cottbuser Ostsee ist hingegen nachteilig aufgrund seiner großen Fläche und geringeren Tiefe. Andererseits können großflächige Seen mit Speicherfunktion mehr Wasser in abflussreichen Zeiten aufnehmen, um es für Trockenperioden zu speichern.
Rund 500 Tagebauseen existieren in Deutschland. Sie dienen oft Erholung, Tourismus und Wassersport. Dies funktioniert gut in der Nähe großer Städte und ist im Mitteldeutschen Revier gegeben, im Lausitzer Revier hingegen kaum.
Touristische Angebote lassen sich auch nicht endlos ausweiten. Daher sind weitere Nutzungen der Gewässer gefragt, z. B.:
- Wärme aus dem See nutzen, z. B. mit Wärmepumpen fürs Heizen
- (begrenzte) Nutzung zur Kühlung von Gebäuden
- Lebensmittel produzieren, z. B. nachhaltige Fischzucht mit hochwertigen Speisefischen oder umweltfreundlicher Pflanzenanbau am Ufer
- Wasserstoff herstellen in Kombination mit Solarenergie
- Wasser speichern und bei Bedarf weitergeben gegen Bezahlung als Ausgleich
Eine wichtige Funktion können die neuen Seen und ihre Ufer im Arten- und Habitatschutz erbringen. Als wertvolle Lebensräume fördern sie Biodiversität und tragen so zur Umsetzung verschiedener Umweltschutzziele bei. Herausragende Beispiele sind die Goitzsche-Wildnis des BUND, das Naturparadies Grünhaus des NABU und die Naturlandschaft Wanninchen der Sielmann-Stiftung.
Tagebauseen sind eine wasserwirtschaftliche Herausforderung. Auswirkungen sind weit über die betroffene Region hinaus zu spüren. Bei einem nachhaltigen und weitsichtigen Management bieten sich jedoch auch Chancen für Mensch und Natur. Aus den entstehenden Seen können zudem positive Effekte und ein nennenswerter Beitrag zur Umgestaltung der lokalen Wirtschaft erwachsen. Doch die Lösung der wasserwirtschaftlichen Kernprobleme bleibt die Voraussetzung für eine Überführung in nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Gewässernutzungen.